B punkt

Ein Gedicht über Bi-Feindlichkeit und Bi-Erasure1.

bi-erasure

Bunte Filzstifte und drei Fragezeichen in blau, violett und pink. (Bild: Paula Balov)

B Punkt

ich bin die linie zwischen zwei spalten
selten eine eigene
bin so hip und modern
seit jahrhunderten
ich komm in chartshits vor
und bleibe doch ungehört
ich bin pubertär sagen sie
vielleicht kennen wir uns
vom flaschendrehen
für die meisten
werde ich nicht alt
bin der notfallplan
im alter
als lügnerin verschrien
die bloß mittanzen will
skandalgeile rampensau
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aufbruch

Eine Straßenlaterne leuchtet im Morgengrauen

Eine Straßenlaterne leuchtet im Morgengrauen (Bild: Paula Balov)

aufbruch

ich seh die hand vor augen wieder
und vor den füßen fallen
immer noch
es ist zu früh an frühling zu denken doch
die tage beginnen wieder

ich hör die ruhe im sturm wieder
und kopfgespenster kreischen
immer noch
es ist zu früh ans pfeifen zu denken doch
die tage atmen wieder

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Knotenpunkte in Bewegung

„Von Hier zu Mir“ – Acht Künstler_innen zwischen Balkan und Berlin

Von oben links nach unten rechts: Artuković, Titin, Pušija, Kamili, Sevin, Pertchinska, Balov, Georgopoulos

„Europas Rettung ist nicht die Europäisierung des Balkans, sondern die Balkanisierung Europas!“, so eröffnete am 8. Januar 2016 Jovan Balov die Ausstellung „Von Hier zu Mir“ im Bulgarischen Kulturinstitut Berlin. Hinter jenem Satz verbirgt sich der Zenitismus, eine in Jugoslavien entstandenen Kunstrichtung des frühen 20. Jahrhunderts.
Was haben die Jahre zwischen den beiden Weltkriegen mit dieser Ausstellung zu tun? Gar nichts und ziemlich viel.
„Kaum einer in Deutschland hat vom Zenitismus gehört,“ stellt Kurator und selbst teilnehmender Künstler Jovan Balov fest, „während die russische Avantgarde nicht nur Kunstkennern ein Begriff ist.“ Das hat nicht zuletzt mit der Abwertung des Balkans zu tun, erklärt er weiter. Die heterogene Region zwischen dem sogenannten Orient und Okzident hat einerseits eine Reihe von Vorteilen gerade noch so zu Europa zu gehören und steht andererseits im Schatten Europas. Künstlerische Bewegungen werden als Reaktion auf westeuropäisches Kunstgeschehen gewertet, selten auf Augenhöhe. Es entsteht der Eindruck, der Balkan würde nur mitmachen, imitieren, sich anpassen. Mit der Referenz zum Zenitismus, der sich sehr deutlich gegen eurozentrische Maßstäbe richtete, ist Jovan Balov eine Gruppenausstellung gelungen, die den Balkan als lebendige Region porträtiert, die erschafft.
Dem Klischee des Balkans als Pulverfass zum Trotz ist die Ausstellung sehr positiv: Die Kunst wird zur Brücke, die Konflikte zu überwinden versucht.
„Dass türkische, griechische, mazedonische, bulgarische, albanische, serbische, bosnische und kroatische Künstler_innen zusammen ausstellen, ist allein eine politische Botschaft“, findet die Fotokünstlerin Semra Sevin.
So unterschiedlich wie die kreativen Köpfe sind auch die Werke, die sie präsentieren: Sie bilden ein Mosaik zeitgenössischer Kunst des Balkans in Berlin. Weiterlesen

Elektra (Trailer)

Ein Trailer, den ich für Theater Augenschein gemacht habe.

Hugo von Hoffmansthal – Elektra

„Klytämnestra und Ägisth haben den König Agamemnon erschlagen.
Klytämnestra in vollem Bewusstsein Ihres Rechtes: Ihr Mann Agamemnon hat dem Krieg gegen Troja die gemeinsame Tochter Iphigenie geopfert. Elektra akzeptiert dieses Recht nicht. Sie bringt daraufhin ihren kleinen Bruder Orest in Sicherheit, der außer Landes als Rächer seines Vaters erzogen werden soll.
Während die Palastbewohner, darunter auch Klytämnestras Tochter Chrysothemis, verzweifelt kämpfen, in dieser Situation zu überleben, hält Elektra als einzige die Erinnerung an den Mord wach.
Doch so kann es kein (Über)leben geben. Elektra wartet besessen auf den Tag der Vergeltung…

Aufführungen:
08. – 10.01. 2016 20:00 Uhr
im Theaterforum Kreuzberg,
Eisenbahnstraße 21,
10997 Berlin

Immerhin hab ich das Semesterticket!

Fertige (4)„Freuen Sie sich aufs Studieren,“ sagte die Frau vom Jobcenter, als ich frisch nach dem Abi bei ihr landete, „Es wird die schönste Zeit ihres Lebens.“
Ähnliches hörte ich auch von Freund_innen und Verwandten. Ich freute mich auf die Zeit, immerhin wurde sie mir von allen Seiten schmackhaft gemacht. Die Leute bezogen sich dabei nicht auf Ermäßigungen, das Semesterticket oder das Kneipenleben, sondern auf diese ach so freie – nein, die freieste Form des Lernens, Forschens, Weiterdenkens, auf die unzähligen Perspektiven, die sich ergeben würden blablabla.

Nach einem halben Jahr jobben, war es nun so weit: Ich war Studentin an der Uni Regensburg und studierte Südosteuropa-Studien, ein Semester später wechselte ich an die HU und entschied mich für Regionalstudien Asien/ Afrika mit Schwerpunkt China. (Inwieweit der Studiengang verschiedene Rassismen (re)produziert, wäre ein Thema für sich. Deshalb nur eine Leseempfehlung: Der Text von Noah Sow  „The Beast in the Belly“ über die Aneignung von Schwarzem Wissen und den Ausschluss von Schwarzen Akademiker_innen aus deutschen Hochschulen, hat mich in vielen Punkten an die Regionalstudien erinnert.)

Meine Erwartungen klangen in meinen Ohren eigentlich nicht sehr naiv. Ich dachte nämlich, in einem Seminar ginge es in erster Linie ums Lernen: Darum, in der Gruppe einen Text zu erarbeiten, eine Atmosphäre zu schaffen, in der jede_r seine_ihre Ideen und (Verständnis-)Probleme einbringen konnte und hoffentlich mit dem Gefühl raus kam: Geil, ich hab was kapiert, ich hab einen Zusammenhang erkannt, ich habe die und die Fragen gefunden, die ich spannend finde… Weiterlesen

Ace of hearts

Gedanken zu meinem 1. Kurzfilm „Ace of Hearts“
(gedreht: September 2010, Internationales Kino Kabaret Berlin)

Das ist mein erster Kino-Kabaret-Film, den ich immer noch als „mein Baby“ bezeichne.
Ein Kino-Kabaret ist ein Learning-by-doing-Filmworkshop, in dem Kurzfilme innerhalb von 48 Stunden entstehen. Das Motto ist: „Do good with nothing, better with little and do it right now!”
Leute, die oft Kino-Kabarets besuchen nennen sich Kinoiten, doch es ist unglaublich schwierig für einen Nicht-Kinoit die ansteckende, kreative Energie, den Tatendrang und die große Hilfsbereitschaft nachvollziehbar zu machen oder das Gefühl nach einer durchgemachten Nacht, die man im Kino-Lab vorm Schnittprogramm verbracht hat: Ja, man ist unglaublich angepisst, übermüdet und gereizt, doch man treibt mit Leichtigkeit Energiereserven auf, mit denen man nicht gerechnet hat und plötzlich kann man auf Schlaf verzichten und am nächsten Morgen um 9 bei einem anderen Film mithelfen! Weiterlesen

Common Ground, Theaterstück (Rezension)

CommonGround
Am Montag hab ich mir seit langem wieder ein Stück angeschaut: „Common Ground“ von der israelischen Regisseurin Yael Ronen, im Maxim Gorki Theater. Fünf Schauspieler_innen, die in den 90ern aus Ex-Jugoslavien nach Berlin gekommen sind, genauer gesagt aus Zagreb, Belgrad, Priboj, Banja Luka und Novi Sad, haben ihre Biografien, die von Flucht, Kriegstrauma und Assimilationszwang in Deutschland geprägt sind, auf der Bühne vereint. Auf der Suche nach einer gemeinsamen Geschichte, reisen die Protagonist_innen nach Bosnien. Mit an Bord sind zwei humoristische Sidekicks: Niels Borman, die Karikatur des Deutschen, der in jedes Klischee-Fettnäpfchen tritt, und die isrealische Konflikttherapeutin Orit Nahmias, die Parallelen zwischen dem Nah-Ost-Konflikt und dem Jugoslavienkrieg sucht.
Das mosaikartige Stück zeigt durch die verschiedenen Perspektiven Widersprüche und Sackgassen auf und stellt Fragen, statt nach Erklärungen zu suchen.
Wie kann ein „Common Ground“ aussehen, wenn jede Seite, die im Jugoslavienkrieg involviert war, ihre eigene Geschichte schreibt und die Wunden des Krieges noch nicht verheilt sind? Wie geht die jüngere Generation, die den Großteil ihres Lebens in Deutschland verbracht hat, damit um?

Das Stück setzt mit einem Schnelldurchlauf durch die 90er ein: Im Hintergrund Fernsehausschnitte, Nirvana und Ace of Base dröhnen aus den Boxen, eine Schlagzeile jagt die nächste: Erdbeben, Tennisturniere, Ereignisse in Jugoslavien, Kriege im Rest der Welt, die olympschen Spiele, eingestreut Kindheitserfahrungen der Protagonist_innen, die im Nachrichtenstrom fast untergehen. Die letzte Meldung: „Der Friedensvertrag von Dayton setzt dem Bosnienkrieg ein Ende.“ Musik und Lichter gehen aus: Nur schweres Atmen kommt von der dunklen Bühne. Weiterlesen