Ace of hearts

Gedanken zu meinem 1. Kurzfilm „Ace of Hearts“
(gedreht: September 2010, Internationales Kino Kabaret Berlin)

Das ist mein erster Kino-Kabaret-Film, den ich immer noch als „mein Baby“ bezeichne.
Ein Kino-Kabaret ist ein Learning-by-doing-Filmworkshop, in dem Kurzfilme innerhalb von 48 Stunden entstehen. Das Motto ist: „Do good with nothing, better with little and do it right now!”
Leute, die oft Kino-Kabarets besuchen nennen sich Kinoiten, doch es ist unglaublich schwierig für einen Nicht-Kinoit die ansteckende, kreative Energie, den Tatendrang und die große Hilfsbereitschaft nachvollziehbar zu machen oder das Gefühl nach einer durchgemachten Nacht, die man im Kino-Lab vorm Schnittprogramm verbracht hat: Ja, man ist unglaublich angepisst, übermüdet und gereizt, doch man treibt mit Leichtigkeit Energiereserven auf, mit denen man nicht gerechnet hat und plötzlich kann man auf Schlaf verzichten und am nächsten Morgen um 9 bei einem anderen Film mithelfen! Weiterlesen

Duett

Relfexion über meinen Kurzfilm „Duett“
(gedreht: April 2011, Internationales Kino Kabaret Dresden)

Das ist mein zweiter Film, den ich im Kino Kabaret gedreht habe. Wenn ich ihn mir heute anschaue, muss ich schmunzeln: Es gibt Stellen, die Gefahr laufen in Kitsch zu driften und einiges ist ziemlich heteronormativ:
Beide beziehen ihr Begehren sofort auf „das andere“ Geschlecht, er wünscht sich eine Freundin, die nicht auf Becks Lemon steht (weil das ein „Mädchenbier“ und nicht cool genug ist… -.-) und sie träumt von einem großen Typen mit breiten Schultern.
Schon wieder die Frau, die von der starken, männlichen Schulter zum Anlehnen träumt… ach, nö!
Zu meiner Verteidigung: Als ich nur mit der Idee im Kino Kabaret ankam, wusste ich noch nicht, welche Schauspieler_innen ich kriegen würde. Als sich die beiden bereit erklärt haben, hab ich den Text ein wenig verändert, um ihn an das äußerliche Erscheinungsbild der beiden anzupassen.
Heute würde ich vermutlich Äußerlichkeiten weglassen. (Es entspricht auch nicht meiner Lebenserfahrung, sich die_den Traumpartner_in äußerlich genau auszumalen), weiblich konnotierte Dinge nicht abwerten (Becks Lemon…), kein Heteropärchen nehmen (gibt schon viel zu viele Filme mit ihnen) oder Charaktere entwerfen, die sich in ihren Tagträumen nicht auf ein Geschlecht beziehen: Ich könnte entweder Gender unsichtbar machen, indem ich Pronomen weglasse oder die Figuren so etwas denken lassen wie: „Hm, wie könnte er sein… oder sie?“. Weiterlesen

Pop (He)art


Kurze Vorstellung meines Kurzfilms „Pop (He)art“
(gedreht: 2012)

Nichts Weltbewegendes, aber dafür Zuckersüßes. Ein Geschenk für einen Freund und eine Kumulation von allen Dingen, von denen ich nicht genug kriegen kann: Pop-Art-Ästhetik, Electropop (der Song ist von Crystal Castles), Stop Motion, Herzchenbrillen, Herzchenlutscher, (eigentlich ziemlich alles, was herzchenförmig ist), Popcorn, Kekse… Lippenstiftabdrücke! Einige Bilder lagen seit 2010 rum (die mit dem Popcorn) und haben dann doch noch ihren Sinn gefunden.
Ich muss dringend wieder so etwas kunterbuntes drehen! ❤

Pornogeplauder (Pantun)

Ein Mitschnitt des Auftritts am 5. Juni 2014, bei der Spoken Word Show „Protestgrübchen“, im L.U.X.

 

Pornogeplauder

Wir sitzen am Küchentisch und reden.
Reden und rauchen und schlürfen Tee,
im Hintergrund läuft Peaches und wir
diskutieren über den Porno von letztens.

Wir reden und rauchen und schlürfen Tee,
versinken in Kopfkinos, kehren zurück,
diskutieren über den Porno von letztens,
der so queer und alternativ war.

Wir versinken in Kopfkinos, kehren zurück,
debattieren über BDSM-Szenen,
die so queer und alternativ waren
und über sexpositiven Feminismus. Weiterlesen

Feministischen Cis-Mackern aufs Maul geschaut


Gedanken über meinen Kurzfilm „Feministischen Cis-Mackern aufs Maul geschaut“
(gedreht: September 2014, mit englischen Untertiteln: „Things ‚feminist‘ cis dudebros say“ auf Youtube)

Beschreibung:
Sie nennen sich Feministen, sind links, reflektiert und vor allem: Sie wissen es besser! Zum Beispiel, was sich für eine
emanzipierte Frau“ gehört. Und, ganz wichtig: Was Marx dazu sagt. Sie haben die Weisheit mit Löffeln gefressen, sind rational und objektiv, hören sich selbst so gern reden…. Warum sollten sie dich dann auch ausreden lassen? Sie erwarten Huldigung und Kekse von der Welt, weil sie doch soo progressiv sind. Sie regen sich über „Femi-Nazis“ auf, kurz bevor sie auf der Frauenkampftags-Demo am lautesten grölen. Am Ende des Tages sitzt du vielleicht mit ihnen in der Kneipe und sie erklären dir, was Victim Blaming ist. Drei Minuten später verharmlosen sie sexuelle Belästigung. Wirfst du ihnen Sexismus vor, erklären sie dir, dass du zu empfindlich bist. Einige von ihnen sind Pick-up-Feministen: Die neue Flirtstrategie! (Sie sind poly und so, sie dürfen das…) Sie lachen über die doofen Machos, die Schwanzvergleiche nötig haben und machen aus absurdesten Dingen einen Schwanzvergleich: „Na, wer ist der Queerste hier?“  Sie nerven überall: In der Uni, auf dem Plenum, Barcamp, in der Lieblingskneipe… Lass uns ein Spiel spielen: Wie viele der Cis-Macker, die du schon mal ertragen musstest, erkennst du hier wieder?

Ich möchte mich an dieser Stelle dafür entschuldigen, einen Witz mit in die Outtakes genommen zu haben, der als Abuse-/Rape-Joke verstanden werden konnte. Das hätte ich selbst feststellen und besser wissen müssen. Das Outtake ist inzwischen draußen. Ich entschuldige mich bei allen, die das getriggert und/oder verletzt hat und bedanke mich bei den Leuten, die mich darauf hingewiesen haben. Weiterlesen

Gezeichnet

Gedanken zu meinem Kurzfilm „Gezeichnet“
(gedreht: September 2012, 9. Internationales Kino Kabaret Berlin
)

Dieser Film bearbeitet das Gefühl, die Wut, den Wunsch, sich all die schmerzlichen Spuren, die die Sozialisation hinterlassen hat, wegwischen zu wollen.
Wie wäre es, könnte ich mir einfach die Nationalität abwischen, den Migrationshintergrund, den Leistungsdruck, die Geschlechterrolle? Mich einfach von Zuschreibungen, Geltungsdruck, Schönheitsidealen, Beziehungsnormen, Sexualmoral, Kindheitstraumata, familiärem Druck, Fernsehsozialisation, Hierarchien etc. lösen?

Ich mag es nicht, eine eindeutige Antwort darauf zu geben, wie dieser Film interpretiert werden soll, es gab jedoch vor allem zwei Lesarten, die sich während der Gespräche mit verschiedenen Zuschauer*innen herauskristallisiert haben und die ich beide sehr interessant finde:

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