Ace of hearts

Gedanken zu meinem 1. Kurzfilm „Ace of Hearts“
(gedreht: September 2010, Internationales Kino Kabaret Berlin)

Das ist mein erster Kino-Kabaret-Film, den ich immer noch als „mein Baby“ bezeichne.
Ein Kino-Kabaret ist ein Learning-by-doing-Filmworkshop, in dem Kurzfilme innerhalb von 48 Stunden entstehen. Das Motto ist: „Do good with nothing, better with little and do it right now!”
Leute, die oft Kino-Kabarets besuchen nennen sich Kinoiten, doch es ist unglaublich schwierig für einen Nicht-Kinoit die ansteckende, kreative Energie, den Tatendrang und die große Hilfsbereitschaft nachvollziehbar zu machen oder das Gefühl nach einer durchgemachten Nacht, die man im Kino-Lab vorm Schnittprogramm verbracht hat: Ja, man ist unglaublich angepisst, übermüdet und gereizt, doch man treibt mit Leichtigkeit Energiereserven auf, mit denen man nicht gerechnet hat und plötzlich kann man auf Schlaf verzichten und am nächsten Morgen um 9 bei einem anderen Film mithelfen! Weiterlesen

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Common Ground: Geschichte verbindet

CommonGroundAm Montag habe ich mir ein Theaterstück angeschaut: Common Groundvon der israelischen Regisseurin Yael Ronen, im Maxim Gorki Theater. Fünf Schauspieler_innen, die in den 90ern aus Ex-Jugoslavien nach Berlin gekommen sind, genauer gesagt aus Zagreb, Belgrad, Priboj, Banja Luka und Novi Sad, haben ihre Biografien auf der Bühne vereint. Ihre Kindheit ist von Flucht, Kriegstrauma und Assimilationszwang in Deutschland geprägt. Auf der Suche nach einer gemeinsamen Geschichte, reisen sie nach Bosnien. Mit an Bord sind zwei humoristische Sidekicks: Niels Borman, die Karikatur des Deutschen, der in jedes Klischee-Fettnäpfchen tritt, und die isrealische Konflikttherapeutin Orit Nahmias, die Parallelen zwischen dem Nah-Ost-Konflikt und dem Jugoslavienkrieg sucht.

Ein Mosaik aus Widersprüchen

Das mosaikartige Stück zeigt durch die verschiedenen Perspektiven Widersprüche und Sackgassen auf und stellt Fragen, statt nach Erklärungen zu suchen. Wie kann ein Common Ground“ aussehen, wenn jede Seite, die im Jugoslavienkrieg involviert war, ihre eigene Geschichte schreibt und die Wunden des Krieges noch nicht verheilt sind? Wie geht die jüngere Generation damit um, die den Großteil ihres Lebens in Deutschland verbracht hat?

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Duett

Relfexion über meinen Kurzfilm „Duett“
(gedreht: April 2011, Internationales Kino Kabaret Dresden)

Das ist mein zweiter Film, den ich im Kino Kabaret gedreht habe. Wenn ich ihn mir heute anschaue, muss ich schmunzeln: Es gibt Stellen, die Gefahr laufen in Kitsch zu driften und einiges ist ziemlich heteronormativ:
Beide beziehen ihr Begehren sofort auf „das andere“ Geschlecht, er wünscht sich eine Freundin, die nicht auf Becks Lemon steht (weil das ein „Mädchenbier“ und nicht cool genug ist… -.-) und sie träumt von einem großen Typen mit breiten Schultern.
Schon wieder die Frau, die von der starken, männlichen Schulter zum Anlehnen träumt… ach, nö!
Zu meiner Verteidigung: Als ich nur mit der Idee im Kino Kabaret ankam, wusste ich noch nicht, welche Schauspieler_innen ich kriegen würde. Als sich die beiden bereit erklärt haben, hab ich den Text ein wenig verändert, um ihn an das äußerliche Erscheinungsbild der beiden anzupassen.
Heute würde ich vermutlich Äußerlichkeiten weglassen. (Es entspricht auch nicht meiner Lebenserfahrung, sich die_den Traumpartner_in äußerlich genau auszumalen), weiblich konnotierte Dinge nicht abwerten (Becks Lemon…), kein Heteropärchen nehmen (gibt schon viel zu viele Filme mit ihnen) oder Charaktere entwerfen, die sich in ihren Tagträumen nicht auf ein Geschlecht beziehen: Ich könnte entweder Gender unsichtbar machen, indem ich Pronomen weglasse oder die Figuren so etwas denken lassen wie: „Hm, wie könnte er sein… oder sie?“. Weiterlesen

Zwischen Zweien

[TRIGGER-WARNUNG: Behandelt BDSM, Rape Play/ Rape Fantasy und Rape Culture]


Reflexionen über meinen Kurzfilm „Zwischen Zweien“
(gedreht: September 2011, 8. Internationales Kino Kabaret Berlin)

2011 habe ich einen Kurzfilm gedreht, in dem es um Rape Play ging. Damals war mein Ziel eine Sexualpraktik zu zeigen, die nach außen hin nicht safe wirkt, es aber eigentlich ist, um so die Akzeptanz für BDSM zu stärken.
Heute weiß ich, dass das so nicht funktioniert. Was ich produziert hab, war Rape Culture.
Warum ich das hier schreibe? Zum einen, weil ich meinen Blog dafür nutzen will meine eigenen Filme zu reflektieren, zum anderen, weil dieser Film die zweit meisten Klicks hatte (obwohl er technisch ziemlicher Trash war) und ich ein paar mal kritisch darauf angesprochen wurde.
Ich habe den Film inzwischen aus Vimeo und Youtube gelöscht.
Ich werde die problematischen Punkte erläutern und Ideen sammeln, wie stattdessen ein Film über Rape Play aussehen könnte.
Aber zunächst eine Zusammenfassung des Plots:
Ein Typ verfolgt eine Frau bis in eine öffentliche Toilette. Was dort geschieht, sieht aus wie eine Vergewaltigung. Später stellt sich jedoch raus: Das war abgemacht und konsensuell. Beide gehen Arm in Arm nach hause.
Was stimmt hier nicht? Weiterlesen

Feuchtgebiete (Rezension)

Immer wieder werde ich gefragt, meist mit entsetzten, fragenden oder angewiderten Gesichtsausdrücken, warum Feuchtgebiete seit Jahren mein Lieblingsbuch ist. Auch den Film, der letztes Jahr raus kam, finde ich großartig, sogar fast noch besser, weil er humorvoller und punkiger ist und eine sehr poetische Erzählweise hat.

Ich habe die Rezension ausgegraben, die ich vor Jahren für Amazon geschrieben hab.

Feuchtgebiete

Armes, falsch verstandenes Buch!

Ich habe mich lange geweigert dieses Buch zu lesen, da alle möglichen Bekannten und Freund_innen ungeheuerlich empört darüber waren, dass es so unvorstellbar eklig sei. Es sei Schund, hätte keine Handlung, es sei schlecht geschrieben, sinnlos, wär nur auf Provokation aus und vor allem würde es Kotzkrämpfe auslösen.
Als ich es dann doch gelesen habe, um mich selbst zu überzeugen, dachte ich nur eins: Armes Buch! Dieses arme, falsch verstandene bzw. eben nicht verstandene Buch! Weiterlesen

„Sei doch einfach du selbst!“

Liebe Menschen, die mir das sagen. Danke! Ihr habt es erfasst!
Seit ich denken kann lebe ich zwischen den Welten und bin wahrhaftig noch nie auf die Idee gekommen, dass ich einfach ich selbst sein könnte! Ich weiß auch seit einer langen Weile, dass ich bi bin und bin noch nie auf die Idee gekommen, dass ich einfach ich selbst sein könnte! Hach, jetzt wo ihr mir den Weg gezeigt habt, fühle ich mich so erleichtert: Wenn mich das nächste Mal ein Identitätskonflikt ereilt, wink ich ihm mit Freudentränchen und Taschentuch in der Hand zum Abschied und sage: Ich bin jetzt ich selbst, du kannst gehen! Wenn das nächste Mal jemand Bisexualität als Mythos abtut, sage ich: I don’t care, ich bin ja jetzt ich selbst. Wenn ich das nächste Mal durch Zagrebs Altstadt spaziere, Leute in meinem Alter kennenlerne und mich nach einer Sekunde als fremd oute, weil ich die Jugendsprache und die Codes nicht kenne und auch nicht die neuesten „Finten“, über die alle reden, dann sage ich mir: Ich bin einfach ich selbst und das Gefühl der Entwurzelung wird gehen. Von alleine.
Aber nein, so was geht nicht weg, wenn ich mit dem Gedanken durch die Welt marschiere, dass ich „ich selbst bin“. Manchmal kann dieser Gedanke hilfreich sein, wenn z.B andere von mir erwarten mich einzuordnen. Aber wenn ich von Problemen erzähle, mich über BiErasure in der queeren Szene beklage, wenn ich euch postmigrantische Identitätskonflikte anvertraue und Gefühle von Entwurzelung, dann haltet euch verdammt noch mal zurück mit euren Ratschlägen! Wenn ich nicht nach einem weisen Rat frage, will ich davon auch nichts hören, dann will ich mich meistens nur mitteilen. Ich will vorallem keine Ratschläge, wenn ihr in den Bereichen, die ich angesprochen habe, privilegiert seid. Dass ihr privilegiert seid heißt nicht, dass ihr keine Probleme habt, dass ihr nicht gute Ideen haben könnt, aber wenn ihr helfen wollt, dann fragt mich doch einfach, was ich gerade brauche: Vielleicht brauch ich einfach nur ein offenes Ohr! Behaltet dabei im Kopf, dass ihr privilegiert seid und was das heißt: Dass es für euch in bestimmten Lebensbereichen einfacher ist ihr selbst zu sein. Wenn mir eine heterosexuelle Person sagt „Also, wenn ich bi ware, ich würde da einfach drauf scheißen und ich selbst sein“, dann finde ich das krass herablassend! Weiterlesen

Pop (He)art


Kurze Vorstellung meines Kurzfilms „Pop (He)art“
(gedreht: 2012)

Nichts Weltbewegendes, aber dafür Zuckersüßes. Ein Geschenk für einen Freund und eine Kumulation von allen Dingen, von denen ich nicht genug kriegen kann: Pop-Art-Ästhetik, Electropop (der Song ist von Crystal Castles), Stop Motion, Herzchenbrillen, Herzchenlutscher, (eigentlich ziemlich alles, was herzchenförmig ist), Popcorn, Kekse… Lippenstiftabdrücke! Einige Bilder lagen seit 2010 rum (die mit dem Popcorn) und haben dann doch noch ihren Sinn gefunden.
Ich muss dringend wieder so etwas kunterbuntes drehen! ❤