Duett

Relfexion über meinen Kurzfilm „Duett“
(gedreht: April 2011, Internationales Kino Kabaret Dresden)

Das ist mein zweiter Film, den ich im Kino Kabaret gedreht habe. Wenn ich ihn mir heute anschaue, muss ich schmunzeln: Es gibt Stellen, die Gefahr laufen in Kitsch zu driften und einiges ist ziemlich heteronormativ:
Beide beziehen ihr Begehren sofort auf „das andere“ Geschlecht, er wünscht sich eine Freundin, die nicht auf Becks Lemon steht (weil das ein „Mädchenbier“ und nicht cool genug ist… -.-) und sie träumt von einem großen Typen mit breiten Schultern.
Schon wieder die Frau, die von der starken, männlichen Schulter zum Anlehnen träumt… ach, nö!
Zu meiner Verteidigung: Als ich nur mit der Idee im Kino Kabaret ankam, wusste ich noch nicht, welche Schauspieler_innen ich kriegen würde. Als sich die beiden bereit erklärt haben, hab ich den Text ein wenig verändert, um ihn an das äußerliche Erscheinungsbild der beiden anzupassen.
Heute würde ich vermutlich Äußerlichkeiten weglassen. (Es entspricht auch nicht meiner Lebenserfahrung, sich die_den Traumpartner_in äußerlich genau auszumalen), weiblich konnotierte Dinge nicht abwerten (Becks Lemon…), kein Heteropärchen nehmen (gibt schon viel zu viele Filme mit ihnen) oder Charaktere entwerfen, die sich in ihren Tagträumen nicht auf ein Geschlecht beziehen: Ich könnte entweder Gender unsichtbar machen, indem ich Pronomen weglasse oder die Figuren so etwas denken lassen wie: „Hm, wie könnte er sein… oder sie?“. Weiterlesen

Zwischen Zweien

[TRIGGER-WARNUNG: Behandelt BDSM, Rape Play/ Rape Fantasy und Rape Culture]


Reflexionen über meinen Kurzfilm „Zwischen Zweien“
(gedreht: September 2011, 8. Internationales Kino Kabaret Berlin)

2011 habe ich einen Kurzfilm gedreht, in dem es um Rape Play ging. Damals war mein Ziel eine Sexualpraktik zu zeigen, die nach außen hin nicht safe wirkt, es aber eigentlich ist, um so die Akzeptanz für BDSM zu stärken.
Heute weiß ich, dass das so nicht funktioniert. Was ich produziert hab, war Rape Culture.
Warum ich das hier schreibe? Zum einen, weil ich meinen Blog dafür nutzen will meine eigenen Filme zu reflektieren, zum anderen, weil dieser Film die zweit meisten Klicks hatte (obwohl er technisch ziemlicher Trash war) und ich ein paar mal kritisch darauf angesprochen wurde.
Ich habe den Film inzwischen aus Vimeo und Youtube gelöscht.
Ich werde die problematischen Punkte erläutern und Ideen sammeln, wie stattdessen ein Film über Rape Play aussehen könnte.
Aber zunächst eine Zusammenfassung des Plots:
Ein Typ verfolgt eine Frau bis in eine öffentliche Toilette. Was dort geschieht, sieht aus wie eine Vergewaltigung. Später stellt sich jedoch raus: Das war abgemacht und konsensuell. Beide gehen Arm in Arm nach hause.
Was stimmt hier nicht? Weiterlesen

Feuchtgebiete (Rezension)

Immer wieder werde ich gefragt, meist mit entsetzten, fragenden oder angewiderten Gesichtsausdrücken, warum Feuchtgebiete seit Jahren mein Lieblingsbuch ist. Auch den Film, der letztes Jahr raus kam, finde ich großartig, sogar fast noch besser, weil er humorvoller und punkiger ist und eine sehr poetische Erzählweise hat.

Ich habe die Rezension ausgegraben, die ich vor Jahren für Amazon geschrieben hab.

Feuchtgebiete

Armes, falsch verstandenes Buch!

Ich habe mich lange geweigert dieses Buch zu lesen, da alle möglichen Bekannten und Freund_innen ungeheuerlich empört darüber waren, dass es so unvorstellbar eklig sei. Es sei Schund, hätte keine Handlung, es sei schlecht geschrieben, sinnlos, wär nur auf Provokation aus und vor allem würde es Kotzkrämpfe auslösen.
Als ich es dann doch gelesen habe, um mich selbst zu überzeugen, dachte ich nur eins: Armes Buch! Dieses arme, falsch verstandene bzw. eben nicht verstandene Buch! Weiterlesen

„Sei doch einfach du selbst!“

Liebe Menschen, die mir das sagen. Danke! Ihr habt es erfasst!
Seit ich denken kann lebe ich zwischen den Welten und bin wahrhaftig noch nie auf die Idee gekommen, dass ich einfach ich selbst sein könnte! Ich weiß auch seit einer langen Weile, dass ich bi bin und bin noch nie auf die Idee gekommen, dass ich einfach ich selbst sein könnte! Hach, jetzt wo ihr mir den Weg gezeigt habt, fühle ich mich so erleichtert: Wenn mich das nächste Mal ein Identitätskonflikt ereilt, wink ich ihm mit Freudentränchen und Taschentuch in der Hand zum Abschied und sage: Ich bin jetzt ich selbst, du kannst gehen! Wenn das nächste Mal jemand Bisexualität als Mythos abtut, sage ich: I don’t care, ich bin ja jetzt ich selbst. Wenn ich das nächste Mal durch Zagrebs Altstadt spaziere, Leute in meinem Alter kennenlerne und mich nach einer Sekunde als fremd oute, weil ich die Jugendsprache und die Codes nicht kenne und auch nicht die neuesten „Finten“, über die alle reden, dann sage ich mir: Ich bin einfach ich selbst und das Gefühl der Entwurzelung wird gehen. Von alleine.
Aber nein, so was geht nicht weg, wenn ich mit dem Gedanken durch die Welt marschiere, dass ich „ich selbst bin“. Manchmal kann dieser Gedanke hilfreich sein, wenn z.B andere von mir erwarten mich einzuordnen. Aber wenn ich von Problemen erzähle, mich über BiErasure in der queeren Szene beklage, wenn ich euch postmigrantische Identitätskonflikte anvertraue und Gefühle von Entwurzelung, dann haltet euch verdammt noch mal zurück mit euren Ratschlägen! Wenn ich nicht nach einem weisen Rat frage, will ich davon auch nichts hören, dann will ich mich meistens nur mitteilen. Ich will vorallem keine Ratschläge, wenn ihr in den Bereichen, die ich angesprochen habe, privilegiert seid. Dass ihr privilegiert seid heißt nicht, dass ihr keine Probleme habt, dass ihr nicht gute Ideen haben könnt, aber wenn ihr helfen wollt, dann fragt mich doch einfach, was ich gerade brauche: Vielleicht brauch ich einfach nur ein offenes Ohr! Behaltet dabei im Kopf, dass ihr privilegiert seid und was das heißt: Dass es für euch in bestimmten Lebensbereichen einfacher ist ihr selbst zu sein. Wenn mir eine heterosexuelle Person sagt „Also, wenn ich bi ware, ich würde da einfach drauf scheißen und ich selbst sein“, dann finde ich das krass herablassend! Weiterlesen

Pop (He)art


Kurze Vorstellung meines Kurzfilms „Pop (He)art“
(gedreht: 2012)

Nichts Weltbewegendes, aber dafür Zuckersüßes. Ein Geschenk für einen Freund und eine Kumulation von allen Dingen, von denen ich nicht genug kriegen kann: Pop-Art-Ästhetik, Electropop (der Song ist von Crystal Castles), Stop Motion, Herzchenbrillen, Herzchenlutscher, (eigentlich ziemlich alles, was herzchenförmig ist), Popcorn, Kekse… Lippenstiftabdrücke! Einige Bilder lagen seit 2010 rum (die mit dem Popcorn) und haben dann doch noch ihren Sinn gefunden.
Ich muss dringend wieder so etwas kunterbuntes drehen! ❤

Ein Hochzeitsgruß aus der Diaspora

Kurze Vorstellung meines Videos, ein Hochzeitsgruß aus der Diaspora
(gedreht: Oktober 2013)

Meine große Schwester Ena hat letztes Jahr in Skopje geheiratet. Die Feier war sehr kurzfristig angesetzt, sodass ich nicht dabei sein konnte. Also habe ich mich mit meiner anderen Schwester Annamaria und ihrer besten Freundin Pauline zusammen getan, um ihr ein Hochzeitsgeschenk zu machen. Der Plan: Uns über ein Video nach Skopje teleportieren. (Hier Diaspora, bitte Landung genehmigen, Ende.)
Eigentlich war mein Wunsch, dass das Video bei der Hochzeitszeremonie vor versammeltem Publikum gezeigt wird. Probleme mit Schnittprogramm, Internetverbindung und Kommunikation standen dem leider im Weg. Weiterlesen

Mehrfachverknotet im Empowerment-Workshop

Ich habe letztes Wochenende an einem anti-sexistischen FLT*I-Selbstbehauptungs-Workshop teilgenommen. Neben dem positiven Gefühl im Bauch, neue Handlungsspielräume erarbeitet und gefunden zu haben, sowie neue Kontakte geknüpft zu haben, tauchten einige Fragezeichen wieder auf.  Da war ein Knäuel aus Problemen und Gedanken, die mit Mehrfachzugehörigkeiten zusammen hängen, das ich nicht entwirren konnte. Postmigrantischer Identitätskonflikt meets anti-sexistische Strategie… Der Moment, wo ich den Erfahrungsschatz der Teilnehmenden nicht mehr anzapfen konnte, denn die Gruppe war bis auf eine Ausnahme weiß und mehrheitsdeutsch. Der Moment, wo ich mir klar machen musste, warum bestimmte Dinge für mich nicht funktionieren.

Ein Rollenspiel: Wir sollten uns eine sexistische Situation überlegen, die wir schon mal erlebt haben. Jede_r sollte selbst den Macker aus ihrem_seinem Erlebnis spielen. Ich hab also einen 50-jährigen Künstler aus Mazedonien gespielt und die anderen aus der Gruppe mich, um so Strategien zu sammeln. Das Szenario war: Ich, also Ich-ich, sitze mit dem Typen tagsüber im Café in Skopje, wir kennen uns seit ein paar Tagen, er kennt meinen Vater (dieser ist nicht dabei), eine kleine Vertrauensbasis ist da. Er will mir später Skopjes Nachtleben zeigen und mit mir durch die Stadt spazieren. Als wir unseren Kaffee schlürfen, beginnt er mein Aussehen zu bewerten: „Dein Gesicht ist charismatisch, hat was, aber deine Figur… ein bisschen zu dick. Sind halt die Gene, kannst nichts machen.“ Ich fühl mich in die Ecke gedrängt, verletzt, denk: Was nimmt der sich heraus meinen Körper auszuchecken? In der realen Situation bleibe ich in der Defensive und bekomme meinen Raum nicht zurück. Als er mein Unwohlsein bemerkt, sagt er: „Entspann dich mal ein bisschen, sei nicht so typisch-deutsch!“ Gemeint ist: Denk doch nicht, dass ich dir was böses will, sei nicht so reserviert wie die Deutschen. Weiterlesen