Immerhin hab ich das Semesterticket!

Fertige (4)

„Freuen Sie sich aufs Studieren,“ sagte die Frau vom Jobcenter, als ich frisch nach dem Abi bei ihr landete, „Es wird die schönste Zeit ihres Lebens.“ Ähnliches hörte ich auch von Freund_innen und Verwandten. Ich freute mich auf die Zeit, immerhin wurde sie mir von allen Seiten schmackhaft gemacht. Die Leute bezogen sich dabei nicht auf Ermäßigungen, das Semesterticket oder das Kneipenleben, sondern auf diese ach so freie – nein, die freieste Form des Lernens, Forschens, Weiterdenkens, auf die unzähligen Perspektiven, die sich ergeben würden blablabla.
Nach einem halben Jahr jobben, war es nun so weit: Ich war Studentin an der Uni Regensburg und studierte Südosteuropa-Studien, ein Semester später wechselte ich an die HU und entschied mich für Regionalstudien Asien/ Afrika mit Schwerpunkt China. (Inwieweit der Studiengang verschiedene Rassismen (re)produziert, wäre ein Thema für sich. Deshalb nur eine Leseempfehlung: Der Text von Noah Sow  „The Beast in the Belly“ über die Aneignung von Schwarzem Wissen und den Ausschluss von Schwarzen Akademiker_innen aus deutschen Hochschulen, hat mich in vielen Punkten an die Regionalstudien erinnert.)

Meine Erwartungen klangen in meinen Ohren eigentlich nicht sehr naiv. Ich dachte nämlich, in einem Seminar ginge es in erster Linie ums Lernen: Darum, in der Gruppe einen Text zu erarbeiten, eine Atmosphäre zu schaffen, in der jede_r seine_ihre Ideen und (Verständnis-)Probleme einbringen konnte und hoffentlich mit dem Gefühl raus kam: Geil, ich hab was kapiert, ich hab einen Zusammenhang erkannt, ich habe die und die Fragen gefunden, die ich spannend finde… Weiterlesen

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