Ace of hearts

Gedanken zu meinem 1. Kurzfilm „Ace of Hearts“
(gedreht: September 2010, Internationales Kino Kabaret Berlin)

Das ist mein erster Kino-Kabaret-Film, den ich immer noch als „mein Baby“ bezeichne.
Ein Kino-Kabaret ist ein Learning-by-doing-Filmworkshop, in dem Kurzfilme innerhalb von 48 Stunden entstehen. Das Motto ist: „Do good with nothing, better with little and do it right now!”
Leute, die oft Kino-Kabarets besuchen nennen sich Kinoiten, doch es ist unglaublich schwierig für einen Nicht-Kinoit die ansteckende, kreative Energie, den Tatendrang und die große Hilfsbereitschaft nachvollziehbar zu machen oder das Gefühl nach einer durchgemachten Nacht, die man im Kino-Lab vorm Schnittprogramm verbracht hat: Ja, man ist unglaublich angepisst, übermüdet und gereizt, doch man treibt mit Leichtigkeit Energiereserven auf, mit denen man nicht gerechnet hat und plötzlich kann man auf Schlaf verzichten und am nächsten Morgen um 9 bei einem anderen Film mithelfen!

Ich hatte die Idee schon sehr lange, doch hatte mir damals in den Kopf gesetzt, sie ohne Team und mit meinem Ex umzusetzen. Das scheiterte daran, dass ihm wichtiger war, was die Nachbarn denken und er deshalb niemals als Clown verkleidet durch Berlin hüpfen würde.
Als die Beziehung vorbei war und ich vom Kino Kabaret gehört hatte, schöpfte ich neuen Mut die Idee umzusetzen.
Man muss dazu sagen: Ich steh unglaublich auf Clowns, vor allem auf Pierrots oder Harlekine.
Ich wollte mit Clownsästhetik spielen und mit Herzchen, die oft als Element bei Darstellungen von Pierrots vorkommen. Außerdem war ich von der Ästhetik von Tim Burton‘s „Alice im Wunderland” inspiriert. Dass ich ein Faible für die Herzkönigin hab dürfte niemanden überraschen.
Das Kostüm zusammenzustellen hat unglaublich viel Spaß gemacht, die Ringelstrümpfe, der Herzlollie und natürlich die Herzchenbrille sind meine Favoriten!
Ich hatte unglaubliches Glück eine erfahrene Schauspielerin gefunden zu haben, der clowneskes Spielen leicht fiel. Genauso viel Glück hatte ich einen männlichen Gegenpart zu finden, der Einrad fahren und jonglieren konnte. (Und der inzwischen übrigens sogar wirklich Clown ist!) Somit gaben die beiden von Anfang an bessere Clowns ab, als mein Ex und ich es je hingekriegt hätten.
Generell hatte ich bei diesem Film verdammt viel Glück: Wir hatten nur einen Drehtag, bei den Szenen innen regnete es, bei den Szenen draußen schien die Sonne, die Kamerafrau war sehr geduldig und der Cutter war Profi und konnte besser auf Musik schneiden, als ich gewagt habe mir zu erträumen.
Die Geschichte erklärt sich so gut wie von selbst, auch wenn ich schon mehrere, interessante Interpretationen gehört habe.
Was den meisten gemein war: Der Ausbruch aus dem Alltag, der Langeweile, Außenseiter_innen auf der Suche nach Gleichgesinnten, die Suche nach Abenteuern, eine Liebe, die ohne Maskerade nicht funktioniert, Entfremdung voneinander – ein Paar, das plötzlich in verschiedenen Welten lebt, verliebt in eine Inszenierung sein, Beziehung als Zuflucht vor der Realität…
Zu der Musik: Meine Schwester in Mazedonien hatte damals eine Band, für die ich das Video gemacht habe: Fighting Windmills. Der Songtitel heißt übersetzt „Was, wenn das worauf du wartest, tatsächlich eintrifft?”
Meine Schwester erklärte mir, dass die Band sich beim Songwriting jemanden ausgemalt hat, der auf einen Bus wartet, der an dieser Stelle eigentlich überhaupt nicht hält und darüber erstaunt ist, als er trotzdem kommt.
So hat der Film ein kleines Augenzwinkern: Be careful what you wish for you just might get it! Und: Ist das, was du dir wünschst wirklich, was du willst?

„Ace of Hearts“ auf Vimeo.

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