Common Ground, Theaterstück (Rezension)

CommonGround
Am Montag hab ich mir seit langem wieder ein Stück angeschaut: „Common Ground“ von der israelischen Regisseurin Yael Ronen, im Maxim Gorki Theater. Fünf Schauspieler_innen, die in den 90ern aus Ex-Jugoslavien nach Berlin gekommen sind, genauer gesagt aus Zagreb, Belgrad, Priboj, Banja Luka und Novi Sad, haben ihre Biografien, die von Flucht, Kriegstrauma und Assimilationszwang in Deutschland geprägt sind, auf der Bühne vereint. Auf der Suche nach einer gemeinsamen Geschichte, reisen die Protagonist_innen nach Bosnien. Mit an Bord sind zwei humoristische Sidekicks: Niels Borman, die Karikatur des Deutschen, der in jedes Klischee-Fettnäpfchen tritt, und die isrealische Konflikttherapeutin Orit Nahmias, die Parallelen zwischen dem Nah-Ost-Konflikt und dem Jugoslavienkrieg sucht.
Das mosaikartige Stück zeigt durch die verschiedenen Perspektiven Widersprüche und Sackgassen auf und stellt Fragen, statt nach Erklärungen zu suchen.
Wie kann ein „Common Ground“ aussehen, wenn jede Seite, die im Jugoslavienkrieg involviert war, ihre eigene Geschichte schreibt und die Wunden des Krieges noch nicht verheilt sind? Wie geht die jüngere Generation, die den Großteil ihres Lebens in Deutschland verbracht hat, damit um?

Das Stück setzt mit einem Schnelldurchlauf durch die 90er ein: Im Hintergrund Fernsehausschnitte, Nirvana und Ace of Base dröhnen aus den Boxen, eine Schlagzeile jagt die nächste: Erdbeben, Tennisturniere, Ereignisse in Jugoslavien, Kriege im Rest der Welt, die olympschen Spiele, eingestreut Kindheitserfahrungen der Protagonist_innen, die im Nachrichtenstrom fast untergehen. Die letzte Meldung: „Der Friedensvertrag von Dayton setzt dem Bosnienkrieg ein Ende.“ Musik und Lichter gehen aus: Nur schweres Atmen kommt von der dunklen Bühne. Weiterlesen